• Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V.

Wahlheimaten AZ-Nr. 20508

Von der „Heiratsmigrantin“ zur ersten Präsidentin des Ausländerbeirats

Eine Tasche für Pilar Buesa y Blanco

gepackt von Myriam Alvarez

Eine Tasche für Pilar Buesa

Im ersten Moment kommt sie etwas klein und schlicht daher, die Tasche, die Myriam Alvarez für Pilar Buesa ausgesucht. Doch auf den zweiten Blick fallen die goldenen Einfassungen ins Auge. Sie verbinden einen Henkel mit der Klappe und geben der Lederhandtasche einen besonderen Touch.

Pilar Buesa stammte aus dem baskischen Guernica, berühmt durch ein Gemälde von Pablo Picassos, der an die Zerstörung der Stadt durch einen Luftangriff vor allem der deutschen Legion Condor erinnerte. Die Legion Condor hatte Hitler nach Spanien entsandt, um den faschistischen General Franco im Bürgerkrieg gegen die Republik zu unterstützen. Dessen Diktatur wiederum war einer der Gründe, warum Pilar Buesa als 24jährige nach Deutschland auswanderte. Der zweite Grund war die Liebe, denn sie hatte in Barcelona einen Deutschen kennengelernt.

„Heiratsmigrantin“ nennt Myriam Alvarez deshalb auch ihre Protagonistin. Deren Leben hatte Alvarez schon in einer Publikation der Stadt Freiburg zu Migration einen Beitrag gewidmet. Dieser liegt zur informativen Lektüre in der Tasche ebenso bereit wie ein Faltblatt des Migrantinnen- und Migrantenbeirat der Stadt Freiburg, zu dessen Präsidentin Pilar Buesa gewählt worden war. Weniger Erfolg hatte sie bei der Kommunalwahl 2004 auf der Linken Liste, wo sie sich aufstellen ließ, um die politische Teilhabe von Migranten zu verbessern. Mit Listenplatz 7 erreichte sie immerhin 6757 Stimmen, aber – leider – keinen Platz im Gemeinderat.

Ein Foto in der Tasche zeigt Pilar hinter einem Stand auf dem Rathausplatz: Hier setzte sie sich für die Rechte von Frauen aus aller Welt ein. Ebenfalls beigelegt hat Myriam Alvarez die CD „Utopia“ des spanischen Liedermachers Joan Manuel Serrat. Er hat ebenfalls wegen Diktator Franco sein Heimatland Spanien verlassen. Zitat des Sängers: „Ohne Utopie wäre das Leben ein Essay für den Tod.“

KS