• Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V.

Termine

Verpasse unsere jüngsten Aktivitäten nicht!

Trauer um Ute Becker 544 683 femwerkstatt.de
Ute Becker

Trauer um Ute Becker

Ute Becker

Ute Becker

Wir trauern um Ute Becker, die am 22.6. bei einem Fahrradunfall unverschuldet ums Leben kam.
Wir verlieren eine fantasievolle, umsichtige und sehr kluge Mitfrau, die uns sehr fehlen wird.
Auch in unserem Projekt Taschen erzählen hat Ute mitgemischt und dabei diesen kleinen Koffer für ihre Großmutter gepackt.

Polychore: Interkulturelles Frauencafé 1024 683 femwerkstatt.de

Polychore: Interkulturelles Frauencafé

Einladung zu unserem nächsten Frauencafé
Ein interkulturelles Frauencafé für alle Frauen die Lust haben auf mehr: Information – Gesundheit – Spaß – Austausch
*Mit Kinderbetreuung

Wann: Samstag, den 14. November, von 11:00 bis 13:00 Uhr

Thema: „Der Migrant*innenbeirat der Stadt Freiburg wird neu gewählt“

Ort: im Telegram-Chat-Raum; Anmeldung per E-Mail erforderlich: Almycel@hotmail.com, dann folgt die Einladung mit dem notwendigen Link

Die Referentin Olena Neumann gibt Informationen zu den Wahlen des Migrant*innenbeirats. Außerdem zeigt sie in einem Online-Workshop, wie bei dem Migrant*innenbeirat Wählen und Gewähltwerden funktioniert.

Für Übersetzung auf Arabisch ist gesorgt.

Polychore ist ein Projekt zu Kultur- und Lebensfragen von und für geflüchtete Frauen. Das Café an jedem ersten Samstag im Monat ist offen für alle interessierten Frauen aus Freiburg und der Region.

Veranstaltet von: Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V.

Unterstützt von:

8. Mai 2020: 75 Jahre Tag der Befreiung 1000 667 femwerkstatt.de
Transparent des feministischen Zentrums

8. Mai 2020: 75 Jahre Tag der Befreiung

75 Jahre Befreiung - aufgezeichnet von Hannelore

75 Jahre Befreiung – aufgezeichnet von Hannelore

Am 8. Mai 2020 jährte sich zum 75. Mal der Tag der Befreiung von der Nazi-Herrschaft. Deshalb fand eine Kundgebung am Mahnmal für die Opfer des Naziregimes statt, an der auch die Feministische Geschichtswerkstatt und das Feministische Zentrum aktiv teilnahmen. An einer Wäscheleine trugen wir erhellende und mutmachende Zitate zur Mahnwache und waren mit einem großen Transparent und diesem Redebeitrag zum fehlenden Gedenken an lesbische Gefangene im KZ Ravensbrück dabei:

Transparent des feministischen Zentrumsunser Transparent vor Ort, Foto: Anja

Redebeitrag der Feministischen Geschichtswerkstatt

Das Verhindern des Gedenkens an lesbische Verfolgte und Ermordete des Nationalsozialismus hat Geschichte. In den 80er Jahren scheiterten zahlreichen Versuche der Ostberliner Gruppe ‚Lesben in der Kirche‘, an den Gedenkveranstaltungen im ehemaligen Frauenkonzentrationslager Ravensbrück teilzunehmen. Die Lesbengruppe widmete sich u.a. in den 1980er Jahren dem Anliegen, das Schicksal von im NS verfolgten lesbischen Frauen sichtbar zu machen und ihnen öffentlich zu gedenken. Dabei wurden die Frauen teilweise bereits bei ihrer Anreise am Bahnhof Fürstenberg durch Polizist*nnen abgefangen und stundenlang verhört. Später wurden niedergelegte Kränze vernichtet und Einträge in das Gedenkbuch entfernt. Bis heute gibt es in Ravensbrück keine würdige Form des Gedenkens an die lesbischen Opfer. Im Oktober 2018 scheiterte wieder einmal der Vorschlag, eine Gedenkkugel für die ermordeten lesbischen Frauen zu installieren.

Zitate von Bendkowski und Ayim

Zitate von Bendkowski und Ayim, Foto: Karin

Historikerinnen betonen, dass homosexuelle Frauen – anders als homosexuelle Männer – von den Nazis zwar nicht aufgrund des Strafgesetzbuch-Paragrafen 175 verfolgt wurden. Aber ihr Lesbisch-Sein war ein Faktor, der dazu beitragen konnte, im Konzentrationslager zu landen. Dort trugen Lesben nicht den Rosa-Winkel, sondern wurden u. a. mit einem schwarzen Winkel als „Asoziale“ gekennzeichnet. Diese Unsichtbarkeit führt bis heute zu einer Marginalisierung dieser Gefangenengruppe in der Erinnerungskultur. Darum fordern viele Initiativen und Wissenschaftlerinnen die Ausdehnung des Verfolgungsbegriffs auf unterschiedliche Formen der Diskriminierung, Einschüchterung oder Überwachung. Geschlechterkonstruktionen müssen dabei einbezogen werden.

Zitat von Ingeborg Bachmann

und eins von Ingeborg Bachmann, Foto: Karin

Im April 2015, zum 70 Jahrestag der Befreiung des Frauen-Konzentrationslagers Ravensbrück sowie des Jugendkonzentrationslager für Mädchen und junge Frauen* Uckermark, legte die Initiative „Autonome Feministische FrauenLesben aus Deutschland und Österreich“ eine Gedenkkugel als sichtbares Zeichen an die Verfolgung und Ermordung lesbischer Frauen und Mädchen am neuen Gedenkort im KZ Ravensbrück nieder. Diese Kugel wurde aufgrund fehlender Genehmigung kurz darauf von der Leitung der Mahn- und Gedenkstätte entfernt, zahlreiche Anträge im Beirat der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten auf Genehmigung scheiterten – auch aufgrund der vehementen Proteste des Lesben- und Schwulenverbandes Berlin-Brandenburg.

Peters und Heymann

Peters und Heymann, Foto: Karin

Die Argumente laufen immer wieder darauf hinaus, dass es keine eigentliche Verfolgung von Lesben im NS gegeben hätte. Dabei wissen wir längst, dass die Verfolgung von Lesben vor allem darüber funktionierte, dass Homosexualität zwischen Frauen nicht existieren durfte. Lesben waren zur Unsichtbarkeit und Selbstverleugnung verdammt. Das setzt sich in der Erinnerungskultur bis heute fort.

... und noch eins von Hannah Arendt

… und noch eins von Hannah Arendt, Foto: Anja

Die Inschrift für die immer noch nicht sichtbare Kugel lautete: In Gedenken aller lesbischen Frauen und Mädchen im Frauen-KZ Ravensbrück und Uckermark. Lesbische Frauen galten als „entartet“ und wurden als „asozial“, als widerständisch und verrückt und aus anderen Gründen verfolgt und ermordet. Ihr seid nicht vergessen!

Zur Zeit wird neu verhandelt …

Wir hoffen, dass die Gedenkkugel bald ihren Platz einnehmen darf – für ein würdiges Gedenken an die lesbischen, verfolgten und ermordeten Frauen in den Konzentrationslagern.

Nazi freie Zone gesehen von Hannelore

Nazi freie Zone gesehen von Hannelore

Frauengeschichte(n) in der Vorstadt 667 547 femwerkstatt.de
Fischerau in Freiburg: einst Rotlichgebiet

Frauengeschichte(n) in der Vorstadt

Frauengeschichte(n) in der Vorstadt – ein historischer Stadtrundgang mit der Feministischen Geschichtswerkstatt.

Fischerau in Freiburg: einst Rotlichgebiet

Fischerau in Freiburg: einst Rotlichgebiet

Rund um den Adelhauser Platz gibt es viel zu entdecken: Wir machen u. a. Station am ersten Mädchengymnasium, erzählen vom Rotlichtbetrieb in der Fischerau und natürlich auch von den Mystikerinnen des Klosters Adelhausen. Und auch um die Dreisam – für manche die Schnellfließende wird es gehen.

Referentinnen: die Femwerkstatt im Team

Daten: Nachdem der Stadtrundgang wegen der Ansteckungsgefahr durch das Corona-Virus im März abgesagt werden musste, wollen die Macherinnen den Rundgang im Juli nachholen.

Ort: Adelhauser Klosterplatz, Eingang Kirche.

Eintritt: Spenden erbeten!

Veranstaltet von Feminstischer Geschichtswerkstatt Freiburg e.V.

Die Istanbul-Konvention und die Türkei 1024 683 femwerkstatt.de

Die Istanbul-Konvention und die Türkei

Esril-Bayrak

Passend zum 10. Jubiläum der Istanbul-Konvention tritt die Türkei aus dem Vertrag aus, der Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen und häuslicher Gewalt 2011 abgeschlossen wurde. Die Übersetzerin und Herausgeberin Esril Bayrak kämpft in der Kampagne für die weitere Umsetzung der Istanbul-Konvention in der Türkei. Gül Keetman sprach mit ihr am Tag nach Erdogans Entscheidung, die Istanbul-Konvention zu verlassen.

Gül Keetman: Gestern Abend wurde die Entscheidung, dass die Türkei die Istanbul-Konvention am 1. Juli verlassen wird, offiziell veröffentlicht. Nun möchte ich zur ersten Frage übergehen: Warum war und ist die Istanbul-Konvention für die in der Türkei lebenden Frauen wichtig?

Esril Bayrak: Das ist ein Vertrag, der den Staaten eine Verantwortung gibt. Die Staaten, die diesen Vertrag unterschrieben haben, sind dazu verpflichtet, eine Politik zu entwickeln, die gewährleistet, dass Frauen vor Gewalt geschützt werden und dass sie als Staat, wenn das nicht geht, für Bestrafung und Abschreckung sorgen.

Das ist insbesondere wichtig für ein Land wie die Türkei, in dem die Ungleichheit der Geschlechter in der Gesellschaft so groß ist, in dem der Familie ein so großer Wert beigemessen wird. Um die Frauen zu schützen, die der Gewalt in der Familie ausgesetzt sind, es ist ein lebenswichtiger Vertrag. Auch wenn die Konvention nicht ganz umgesetzt wurde, hat sie auf der symbolischen Ebene abschreckend gewirkt und sie hat in der Öffentlichkeit sehr dazu beigetragen, das Denken gegen die Gewalt zu fördern. Deshalb ist es für die Frauen eine sehr wichtige Konvention.

Gül: Der Vertragstext ist sehr lang. Besonders aufgefallen ist mir, dass die Konvention einen internationalen Kontrollmechanismus ins Leben ruft.

Esril: Ja, da es sich um einen Vertrag des Europarates handelt, sind die unterzeichnenden Staaten einer Kontrolle unterworfen, ob sie die aus dem Vertrag erwachsenden Verpflichtungen auch erfüllen. Deshalb müssen die Staaten den Vertrag auch ganz umsetzen. Deshalb will sich die Türkei auch daraus zurückziehen. denn die Türkei ist kein Land, das die Gleichstellung von Frauen und Männern besonders gewährleistet und wünscht.

Gül: Das erste Land, das diesen Vertrag im Jahr 2014 unterschrieben hat, war die Türkei. Warum haben sie das Eurer Meinung nach gemacht?

Esril: Man wollte das Bild im Ausland wieder auffrischen. Wegen einiger Frauenmorde hatte der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte Strafen gegen die Türkei verhängt. Man wollte das beschädigte Image wieder in Ordnung bringen. Dass die Türkei als erste unterschrieben hat, zielte mehr auf das Bild im Ausland als auf die Innenpolitik.

Gül: Was ändert sich mit dem Rücktritt von dieser Konvention? Die Situation der Frauen wird sich sicher verschlechtern. Gibt es jetzt bereits ein paar negative Effekte, Auswirkungen die Sie festgestellt haben?

Esril: Zum ersten Mal wurde die Entscheidung, die Konvention zu verlassen, in der Nacht zum 20. März offiziell verbreitet. Seit der ersten Verlautbarung war eine Zunahme bei den Frauenmorden zu erleben. Das heißt, obwohl der Rückzug vom Vertrag nicht vollzogen, sondern nur angekündigt war, hat das bei den Männern einen Eindruck verfestigt, dass es in der Gesellschaft, auf der Ebene des Staates keine hohe Strafe geben würde, wenn Männer Frauen töten: ‚Wenn ich dich töte, dann komme ich drei oder fünf Monate ins Gefängnis, vielleicht auch gar nicht‘. Die Männer wissen sehr wohl, dass sie den Staat hinter sich haben.

Gül: In den sozialen Medien habe ich gestern gesehen, da hat ein Mann, ich glaube es war in Diyarbakir, ein fünfzehnjähriges Mädchen vergewaltigt und dann der Familie damit gedroht: „Der Staat steht hinter mir, mir kann nichts passieren!“

Esril: Ja, ja, leider sehen wir gerade in letzter Zeit einige Beispiele dieser Art. Und davon erfahren wir nicht durch den Staat oder irgendein Presseorgan, das heißt von irgendeinem Presseorgan, das dem Staat nahe steht. Nur durch Bilder, Filme, die die von der Gewalt betroffenen Frauen machen können oder andere Beweismittel von ihnen erfahren wir davon. Das ist nur ein kleiner Teil. Wir wissen nicht, was darüber hinaus noch geschieht. Es ist ganz klar, dass die Männer im Herauskehren von Gewalt, bei der Anwendung von Gewalt und beim Töten sehr bestärkt wurden.

Gül: Nach einigen Analysen steckt hinter der Entscheidung Erdogans, von der Konvention zurückzutreten, sich von radikaleren islamistischen Kreisen mehr Unterstützung zu holen, weil in der Gesellschaft die Unterstützung für ihn laufend zurückgeht. Wie denken Sie darüber?

Esril: Die Partei, die die radikalen Islamisten im Parlament und als politische Partei vertritt, ist im Grunde die Glückseligkeitspartei. Das ist eine Partei, die ihre Bedenken wegen der Istanbul-Konvention ständig äußert. Und in dem Maße, wie Erdogans seine eigene, verknöcherte Basis verliert, versucht er eine weitere Wählergruppe zu gewinnen.

Insbesondere die Zunahme der LBGT ist für ihn Ausgangspunkt, dass der Vertrag mit der Familie, mit den türkischen Traditionen, mit den türkischen Sichtweisen, mit der Natur des türkischen Menschen und mit religiösen Traditionen und der religiösen Praktik unvereinbar sei. Wir wissen, dass er damit radikale Islamisten und die Glückseligkeitspartei an seine Seite bringen will. Im Grunde ist es die Sorge um Stimmverluste.

Gül: Was für einen Kampf führen Sie als feministische Gruppen, als demokratische Bewegungen gegen diese Entscheidung und was erwarten Sie von feministischen Gruppen oder demokratischen Organisationen im Ausland?

Esril: Ein Fuß der politischen Arbeit ist im Parlament. Einige Frauenorganisationen erzählen ständig den politischen Parteien und Abgeordneten, wie wichtig der Vertrag ist, halten ihn auf der Tagesordnung des Parlaments. Ein weiterer Fuß des Kampfes steht auf der Gasse. Im Moment können wir das zwar wegen der Corona-Ausgangssperre nicht machen, aber seitdem die Entscheidung das erste Mal offiziell bekanntgegeben wurde, waren wir ständig in Aktion, haben die Frauenorganisationen in Istanbul, in Ankara und in den kleineren Städten die Straßen mit ihren Aktionen nicht allein gelassen. In Massen haben wir uns im Istanbuler Stadtteil Kadiköy getroffen, kleinere Stadtteilgruppen haben in ihren Stadtteilen Sitzungen abgehalten und die Istanbul-Konvention diskutiert. Jetzt ist es das Hauptziel, den Menschen auf der Straße die Wichtigkeit der Konvention für die Frauen ganz klar zu machen und ihre Unterstützung zu gewinnen. Demnächst wird eine Website über die Istanbul-Konvention eröffnet. Alle Ereignisse seit der Unterschrift unter diese Konvention werden dort verzeichnet und ein Manifest wird veröffentlicht werden. Wir planen auch eine noch größere Massenaktion. Das heißt, einerseits arbeiten wir auf der Ebene des Parlaments, andererseits kommunizieren wir mit den Menschen auf der Straße und kämpfen dort für unser Recht.

Gül: Wie du schon am Anfang erwähnt hast, bindet die Konvention die Staaten, sogar sehr. Daher ist es sehr natürlich, dass eine Partei wie die AKP, die bei solchen Themen nicht gerade ehrlich dabei ist, auf diesen Vertrag verzichten will. Was erwartest du von Organisationen im Ausland?

Esril: Natürlich haben wir das! Zunächst wollen wir Eure Stimme hören. Wir wünschen uns, dass unser politischer Kampf in der Türkei auf der ganzen Welt und in Europa eine Entsprechung hat, damit er gesehen wird. Aber darüber hinaus wollen wir, dass es nicht nur als Solidarität, sondern als gemeinsamer Kampf gesehen wird. Denn auf der ganzen Welt und auch in Europa nehmen die Frauenfeindschaft, die Gegnerschaft gegen die LBGT, die Ablehnung von Abtreibungen stark zu. Autoritäres Denken, das die Familie ins Zentrum rückt, ist im Aufwind. Der Hass auf die LBGT und die Betonung nationaler Abgrenzungen hat in letzter Zeit in allen Ländern ohne Unterschied stark zugenommen. Deshalb wollen wir nicht, dass der Kampf in der Türkei bleibt, denn wir denken, dass er ganz Europa, dass er sogar die ganze Welt angeht, alle feministischen Organisationen. Deshalb wollen wir einen gemeinsamen Kampf. Ihr in Europa solltet auch so denken.

Außerdem ist die Istanbul Konvention ein Abkommen auf der Ebene des Europarates und auch deshalb wollen wir, dass die Frauenorganisationen in Europa den Prozess des Ausscheidens verfolgen, der am 1. Juli abgeschlossen sein soll. Eben weil der Europarat zuständig ist und wir nicht so gut auf unsere Regierung Einfluss nehmen können.

Das wird auch ein schlechtes Beispiel für Europa sein, denn es ist eine antidemokratische Entscheidung, die Entscheidung eines einzigen Mannes. Deshalb wollen wir, dass die Frauenorganisationen den antidemokratischen Charakter dieser Entscheidung hervorheben und Druck auf Europa, auf die europäischen Länder und auf den Europarat ausüben. Sie sollen die Öffentlichkeit für das Thema sensibilisieren.

Gül: Dabei kommt mir in den Sinn, dass eine Entscheidung, der das Parlament zugestimmt hat, nur vom Parlament aufgehoben werden kann. Es ist also eine Entscheidung ohne rechtliche Grundlage.

Esril: Ja, es ist eine durch und durch antidemokratische Entscheidung, denn eine Entscheidung des Parlamentes könnte nur durch das Parlament aufgehoben werden. Die Feministinnen sind sich einig, dass das eigentlich ein ungültiges Verfahren ist.

Frauen*orte Freiburg 1024 686 femwerkstatt.de

Frauen*orte Freiburg

Bürgermeister von Kirchbach weiht erste Tafel gemeinsam mit Birgit Heidtke und Frauenbeauftragter Simone Thomas ein

Am 30. Juli um 16 Uhr war es endlich so weit: Unter Mitwirkung von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach und der Freiburger Frauenbeauftragten Simone Thomas fand die erste Tafel ihren Platz am Neuen Rathaus.

von Kirchbach setzt symbolisch eine Schraube

Sie ist Teil von drei Tafeln an historischen städtischen Gebäuden in Freiburg. Nicht nur am Neuen Rathaus am Rathausplatz, sondern auch am Rotteckhaus in der Rathausgasse und am Historischen Kaufhaus am Münsterplatz werden die Freiburger Frauen*orte an die ersten Politikerinnen der Stadt erinnern.

Birgit Heidtke hält die Eröffnungsrede

Zum Beispiel Mathilde Otto, die 1919 als katholische Sozialpolitikerin im Badischen Landtag war und in der Weimarer Republik die einzige Frau blieb, die aus dem Stadtparlament in das höhere Gremium des Stadtrats gewählt wurde. Oder Lina Wäldin, die im Freiburger Verein für Frauenstimmrecht aktiv war und 1919 zu den ersten liberalen weiblichen Stadtverordneten gehörten. Am Historischen Kaufhaus, dem Sitzungsort der Stadtparlaments in der Weimarer Republik, erinnert der Frauen*ort namentlich an alle 14 ersten, gewählten Kommunalpolitikerinnen von 1919.

Simone Thomas stellt den Kontext zur Frauengeschichte her

Die Freiburger Frauen*orte sind ein Projekt der Feministischen Geschichtswerkstatt Freiburg e.V. Es wurde ermöglicht durch Fördermittel, die im Kontext des 100jährigen Jubiläums zum Frauenwahlrecht in Deutschland 2019 vom Sozialministerium BadenWürttemberg zur Verfügung gestellt wurden. Mit den Tafeln entstehen Erinnerungsorte, die das Wirken von Freiburgerinnen nachhaltig im öffentlichen Stadtraum sichtbar machen.

Eine Blume zur Ehrung darf nicht fehlen

Vor Ort können über den QR-Code auf der Tafel zusätzliche Informationen abgerufen werden – als Text oder Audio. Im Ensemble funktionieren die Tafeln so auch als Audioguide und können in einem individuellen Stadtrundgang erkundet werden.

Voilà

Der Verein Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V. entwickelt Projekte zur regionalen Geschichte und Erinnerungskultur. Die Freiburger Frauen*orte sind ein wachsendes Unterfangen, das der Verein in den nächsten Jahren weiter verfolgen wird. Zwei Tafeln sind bereits in Vorbereitung:

  • für die Juristin Dr. Erica Sinauer, deren Weg als Wissenschaftlerin 1933 an der im NS gleichgeschalteten Universität jäh endete und die im KZ Auschwitz ermordet wurde,
  • und für Lina Haack, die als Sozialdemokratin Arbeiterrätin in der Revolution von 1918/19 war und ebenfalls du den ersten Abgeordneten im Stadtparlament gehörte.