• Feministische Geschichtswerkstatt Freiburg e.V.

Wahlheimaten AZ-Nr. 20523

Der kurze Sommer der Gemeinderätinnen

Eine Tasche für Berta Kuhnt

gepackt von Gisela Lixfeld

20523 Berta Kuhnt Tasche

Eigentlich ist Berta Kuhnt nur der Aufhänger. Erzählen will Gisela Lixfeld davon, wie für kurze Zeit um 1919 herum die politischen Parteien SPD und Zentrum die Frauen entdeckten. Sie sprachen die Wählerinnen aktiv an und kümmerten sich darum, dass Frauen in die Gemeinderäte kamen. Dazu gehörte auch Berta Kuhnt von der SPD. Für sie suchte Gisela Lixfeld einen Picknickkorb aus.

Berta Kuhnt nahm ihr Mandat sehr ernst. Sie setzte sich für frauen- und familienpolitisch wichtige Bereiche ein, engagierte sich in der Sozial-, Schul- und Gesundheitspolitik und versuchte, notleidenden Familien zu helfen. Eigenhändig brachte sie Kartoffeln zu den Bedürftigen, weshalb Lixfeld einen Kartoffelsack und ein paar lustige Plastikkartoffeln in den Einkaufskorb steckte.

Auch sonst hat sie an Material nicht gespart. Ein Picknickkorb bietet ja viel Platz. So bekamen die Fotos von Berta Kuhnts Lebensstationen Schramberg, Leutkirch, Zürich sogar Rahmen, ebenso die Bilder von Berta Kuhnt mit Familie und SPD-Genossen. Das ausführliche Info-Material rund um die ersten Gemeinderätinnen hat sie – eselsohrensicher – laminiert. In dem Stapel findet sich neben der Verteilung der Mandate für die Ausschüsse des Schramberger Gemeinderats auch, zur inhaltlichen Abrundung, ein Text mit Kritik der „radikalen Feministinnen“ an den Frauen in den kommunalen Gremien.

Doch Berta Kuhnts Rührigkeit in Sachen sozialer Wohnungsbau, Volksküche, Gerechtigkeit der Bezahlung von Frauenarbeit etc. zahlte sich nicht aus. Keine der beiden Gemeinderätinnen, auch die des Zentrums nicht, wurde 1922 wieder gewählt. Das gleiche Schicksal erlitten laut Gisela Lixfeld alle Gemeinderätinnen der 1920er Wahlperiode. Schon 1920 hatte die Unterstützung der Parteien für ihre Gemeinderätinnen deutlich nach gelassen. Selbst Aufgaben, die als frauentauglich galten, besetzten die Gremien wieder mit Männern.

Kein Wunder also, dass der Sommer der Gemeinderätinnen in der Weimarer Republik ein kurzer war.

KS